Chronik

Direkt zum Seiteninhalt

Chronik

Unser VfL

Historie des VfL Uetze
Vom MTV Vater Jahn und dem SV Germania
zum VfL Uetze
Über 125 Jahre organisierter Sport in Uetze

von Peter Doms


Im Jahr 2010 jährte sich zum 125. Male das Gründungsdatum des ersten Sportvereins der Ortschaft Uetze. Inspiriert von den Ideen des Friedrich Ludwig Jahn, der das Turnen und die Leibesübungen dadurch volkstümlich machte, indem er im Jahre 1811 auf der Hasenheide bei Berlin die Jugend um sich sammelte und damit den ersten Turnplatz dieser Bewegung begründete, schlossen sich am 19. Januar 1885 auf Initiative und unter Leitung des damaligen Junglehrers und späteren Rektors in Hamburg, Friedrich Wilhelm Lühning, eine Anzahl junger Uetzer Männer zu einem Turnverein zusammen.


Als vor über einhundertundfünfzig Jahren die Industrialisierung immer stärker das allgemeine Leben beeinflusste und es in seinem natürlichen Ablauf gefährdete, entstanden in den Turn- und Sportvereinen die Keimzellen eines neuen Lebensgefühls, das sich gegen die Vermassung und Entwurzelung des einzelnen Menschen wandte. Hier bildete sich das notwendige Gleichgewicht gegen die Entseelung des neuzeitlichen Arbeitsbetriebes.
Der hier 1885 von jungen Männern nach dem Vorbild des Friedrich Ludwig Jahn gegründete Turnverein nannte sich, was hätte näher gelegen? - "Männer-Turn-Verein Vater Jahn Uetze von 1885". Der Gründungstag fiel in eine Zeit, die von den Späteren als "die gute alte Zeit" gepriesen werden sollte. Es war die Zeit stetiger Aufwärtsentwicklung des deutschen Kaiserreiches unter Bismarcks starker Leitung - jeder lebte in einer festen Ordnung, die unerschütterlich schien.



Von der Entwicklung des MTV Vater Jahn ist bekannt, - auch Dank der Aufzeichnungen des langjährigen Vorsitzenden Adolf Krüger- dass sie seit der Gründung bis zum Jahre 1914 recht mühsam gewesen, aber von außen nicht gestört worden sein soll. Gemessen an der sich dann anschließenden Zeit war sie gleich bleibend und stetig. Die damalige kaiserliche Zeit war erzieherisch von dem sehr disziplinierten Militär dominiert worden. Der Turnverein galt als Vorschule zur Soldatenzeit, die jeder gesunde junge Mann zu erwarten hatte. Es galt als eine besondere Ehre, nach der Rückkehr vom Militärdienst im Verein als Vorturner oder gar Turnwart tätig zu sein. Umgekehrt galten die Rekruten mit einer turnerischen und sportlichen Ausbildung als gute Soldaten. Kein Wunder, dass diese gegenseitige Liebe auch ihren erzieherischen und vaterländischen Niederschlag fand.



Im Weltkrieg 1914/1918 verlor der Männer-Turnverein Vater Jahn Uetze vierundfünfzig seiner aktivsten und besten Mitglieder. Noch heute zeugt die über die Zeit gerettete und von Karl-Heinz Seffer liebevoll restaurierte Gedenktafel im Eingangsbereich der VfL-Halle von dem großen Leid, das die Hinterbliebenen traf, und der entstandenen Lücke im Verein, die für viele Jahre nicht geschlossen werden konnte. Nur langsam konnten neben den alten bewährten Ecksteinen neue Aufbausteine gesetzt werden.
Das Jahr 1922 bekam eine für Uetze gewissermaßen historische Bedeutung. Am 30. Juli traten die ersten Turnerinnen auf den Plan und gründeten die Frauen-Abteilung. Seit diesem Tage hat sich der Bereich Frauen-Turnen immer mehr festigen können und ist nicht mehr aus dem Vereinsleben wegzudenken gewesen.



Neben der Turnabteilung für Männer und Frauen kam auch das Ballspiel zu seinem Recht. Das Faustballspiel hatte in den Jahren nach dem ersten Weltkrieg einen breiten Raum eingenommen. In der Männerklasse konnte sich die Mannschaft durch alle damaligen vier Spielklassen als Sieger durchsetzen. Im Handballsport kam es zwar nicht zu erhofften Meisterschaftsehren, jedoch wohnte dieser Sparte eine unbeirrbare Beharrlichkeit inne. Hier wurde gespielt, weil einem dieser Sport Freude bereitete. Die Leichtathletik-Abteilung hatte Tradition, tauchte aber im Großen und Ganzen in den anderen Abteilungen unter.
1921 wurde parallel zum Vater Jahn ein weiterer Verein gegründet, der Sportverein Germania von 1921 Uetze. Der neue Verein wollte sich eigentlich nur dem Fußball widmen, brachte dann dazu aber noch eine Leichtathletikgruppe hervor, die überaus erfolgreich war und bei den Norddeutschen Meisterschaften einen 2. Platz belegen konnte.
Der zweite Weltkrieg kostete in beiden Vereinen, neben dem vielen Leid, welches er auch dieses Mal wieder über die Familien der Opfer gebracht hatte, erneut einer großen Anzahl von Sportkameraden das Leben. Beim Vater Jahn waren es 46 und bei Germania 24 Sportler, die im Krieg fielen oder als vermisst gelten.
Am Ende dieses Krieges war, auch weil es die damalige Besatzungsmacht so wollte, ein eigenständiger Neuanfang für beide Vereine nicht mehr möglich. Sie verschmolzen am 11. Februar 1946 in den neu gegründeten
"Verein für Leibesübungen Uetze".


Erster Vorsitzender dieses Nachfolge-Vereins der beiden Uetzer Traditionsvereine wurde Adolf Kregel, der insbesondere durch sein ausgeglichenes Wesen zu diesem schwierigen Amt befähigt schien, - galt es doch, die widerstrebenden Interessen zweier sehr unterschiedlicher Vereine in gemeinsame Bahnen zu lenken.

Wie schwierig sich diese Aufgabe gestaltete, zeigte sich an der relativ kurzlebigen Tischtennisabteilung im VfL. Der Übungsbetrieb wurde aufgenommen und der Sportkamerad Dreher zum Abteilungsleiter gewählt. Sehr schnell setzte sich jedoch der Wunsch nach Eigenständigkeit durch, und so kam es im Oktober 1948 zur Gründung des "Tisch-Tennis-Clubs Rot-Weiß Uetze".

Vor diesem Hintergrund ist auch das Bestreben einiger Vereinsmitglieder zu sehen, die die Fußball-Abteilung wieder vom VfL trennen wollten, um ebenfalls einen eigenen Verein zu gründen. Der schriftliche Antrag von sechsundvierzig Mitgliedern im dritten Jahr seiner Existenz auf  Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung zielte darauf ab, den VfL wieder in seine Ursprungsvereine "MTV 'Vater Jahn'" und "SV 'Germania'" aufzulösen. Die hierzu auf den 21. Oktober 1949 anberaumte Versammlung lehnte dieses Ansinnen mit Mehrheit ab. In der Folge wird von einigen Mitgliedern eine Konkurrenz-Mannschaft unter dem Namen "SV Germania" aufgebaut. Der ehemalige Vorsitzende des VfL, Siegfried Lehmann, stellt dazu in der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum 1985 fest: "Die Regeln des sportlichen Anstands sind in dieser Phase nicht immer eingehalten worden." Erst mit Gründung des "Sportverein Uetze von 1908" am 22. Januar 1952 kommt es diesbezüglich zu einer Beruhigung. Ohne Frage war die Aufspaltung der Fußball-Abteilung für den VfL sehr schmerzlich.

Zwischenzeitlich hatte 1950 Adolf Krüger den Vorsitz von Adolf Kregel übernommen. Im Jahre 1959 wurde der Versuch unternommen, die drei Sporttreibenden Uetzer Vereine zu einem Verein zusammenzuschließen. Während die Generalversammlungen des VfL und des TTC Rot-Weiß dazu ihr Einverständnis erteilten, votierte die des SV Uetze 08 dagegen. - So blieb es, wie es war und noch heute ist.

Auf der Generalversammlung 1962 ging der Vorsitz von Adolf Krüger auf Siegfried Osteneck über. Seinerzeit sah es nicht so aus, dass sich der VfL trotz der Rückschläge in den ersten Jahren seines Bestehens zu dem mit Abstand größten Verein in Uetze entwickeln sollte. Im Gründungsjahr zählte er 324 Mitglieder, davon 164 Jugendliche. Der Fehlschlag der angestrebten Fusion aus dem Jahre 1959 und die in dessen Folge stattgefundene Auflösung der Fußballabteilung ließ die Mitgliederzahl 1964 auf das absolute Tief sinken; - nur noch 156 Männer, Frauen und Kinder wurden in der Mitgliederliste geführt.

In dieser Phase gelang es Friedel Ulrich, der im gleichen Jahr den Vorsitz übernahm, die weitere Talfahrt zu stoppen; ja, - vielleicht sogar, den Verein vor dem Exodus zu bewahren! In der Zeit des Vorsitzes von Friedel Ulrich wird erstmals ein Mann in den Vorstand gewählt, dem der Verein in der Folge noch vieles zu Danken haben wird: Siegfried Lehmann übernimmt 1966 das Amt des Kassenwartes.

Zwei Jahre später tauscht dieses Gespann die Aufgaben. Als wesentliche Bereicherung des sportlichen Angebots, das traditionell noch aus Faustball, Gymnastik, Handball, Leichtathletik, Schwimmen und Turnen bestand, wird 1969 die Volleyballabteilung gegründet; 1970 wird Judo mit angeboten. Nachdem der Verein in diesem Zeitraum in seinem Mitgliederbestand um knapp 100 gewachsen ist und sich dabei die Anzahl jugendlicher Mitglieder auf 130 mehr als verdoppelt hat, übernimmt 1972 Ernst Schüler den Vorsitz, während sein Vorgänger, - nunmehr als dessen Stellvertreter -, weiterhin im Vorstand mitarbeitet. Der Mitgliederbestand war zu diesem Zeitpunkt abermals erheblich angewachsen: auf 386, davon fast zwei Drittel Jugendliche. Da sich ehrenamtliches Engagement und berufliche Pflichten dieser beiden nicht miteinander verbinden ließen, stellten sie sich zwei Jahre später nicht wieder zur Wahl. In der Folge stürzte der VfL in eine Situation, die man durchaus als Führungskrise bezeichnen konnte.

Hans-Werner Kühnel, dem der Vorsitz angetragen wurde, verzog kurze Zeit später nach Hannover. Sein Stellvertreter Friedel Müller folgte ihm zwar 1975 im Vorsitz, legte diesen aber noch im gleichen Jahr auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung kurz nach den Feierlichkeiten zum 90jährigen Bestehen des VfL schon wieder nieder.

In dieser Situation stellte sich Siegfried Lehmann erneut für das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung. Er knüpfte dort an, wo er zuletzt aufgehört hatte und setzte seine erfolgreich gewesene Arbeit für weitere elf Jahre fort. Der Verein expandiert. 1979 wird die Tennisabteilung gegründet und mit den Plätzen am Herrschaftsweg eine vereinseigene Sportstätte geschaffen. 1983 werden als zunächst letzte neue Bereicherung Aerobic und - kurz darauf - Jazz-Dance in das Anbot für Sportinteressierte aufgenommen. Im Jubiläumsjahr 1985 schreibt sich das 1000. Mitglied in das Beitragsbuch ein.

Auf der Jahreshauptversammlung im Frühjahr 1986 gibt Siegfried Lehmann die Vereinsführung nach fast zwanzigjähriger Vorstandstätigkeit an Rolf Bellersheim ab. Unter seinem Vorsitz wird 1991 auf Initiative des Abteilungsleiters Volleyball, Karl-Heinz Seffer, mit der Einweihung der vereinseigenen Räumlichkeiten in der Normalsporthalle am Schulzentrum ein bei vielen Mitgliedern lang gehegter Wunsch realisiert: ein eigener Versammlungsraum - mit sanitären Anlagen, einem Geschäftszimmer und einem gesonderten Raum für Krafttraining.


Mit den Erfolgen der Volleyballer und Handballer in den 80er und 90er Jahren erfährt der Verein weitere Zuwachsraten im Mitgliederbereich. Weitere Abteilungen bilden sich neu: 1992 wird der Spielkreis aufgenommen, 1997 wird die Sparte Gesellschaftstanz ins Leben gerufen und seit 1999 wird beim VfL auch gefochten. Jüngste Sparte ist der Gesundheitssport, der 2005 seinen Betrieb aufnimmt. Die Sparte Schwimmen hat nach jahrelangem Ruhestand 2006 wieder aktiv ins Geschehen eingegriffen. Die aktuelle Mitgliederzahl beläuft sich auf 1154 Sportler, darunter allein 546 Kinder und Jugendliche.

Mit dem Ausbau einer ehemaligen Fabrikhalle im Jahre 2007 zu einer VfL-Sporthalle mit zwei Übungsräumen sind in Hinblick auf die Zukunft weitere Zeichen gesetzt worden.


letzte Änderung am:04.12.2019

Zurück zum Seiteninhalt